Sollen Schule und Unterricht Spaß machen?

Fragt man Lehrer oder Lehramtsstudierende, was guten Unterricht ausmacht, hört man ab und zu die Antwort: „Unterricht soll den Schülern Spaß machen“. Doch soll er das wirklich? Ich plädiere dafür, dass Unterricht und Lernen nicht nur Spaß, sondern vielmehr Freude bereiten sollen. Es folgt ein Versuch, diese beiden Begriffe (die häufig synonym verwendet werden) zu nuancieren - ohne dabei Spaßverderber sein zu wollen…

 

 

 

Humor im Unterricht hat seinen Platz, etwa zur Optimierung des Klassenklimas oder durch gezielt eingesetzte Aktivitäten, um das Verstehen zu erleichtern. Wäre ich anderer Meinung, gäbe es diese Webseite nicht… Mit dem Ausdruck „Schule und Unterricht sollen Spaß machen“ tue ich mich allerdings schwer. Wenn im Unterricht nämlich die Bespaßung in den Vordergrund rückt, tritt das Lernen in den Hintergrund.

 

Spaß ist kurzzeitig - der kurze Kick - er hat keinen Bestand, ist nur eine Momentaufnahme und währt einen Augenblick. Was wir bei den Schülern erreichen sollten, ist vielmehr ein Gefühl von Freude. Freude geht tiefer als Spaß und ist etwas Dauerhaftes – Freude entsteht, wenn man etwas gelernt hat, wenn man danach etwas kann, was man vorher nicht konnte. Freude spürt man tief in seinem Inneren und sie setzt positive Energie und intrinsische Motivation frei. Und das ist doch, was wir wollen: Schülern sollen mit Freude zur Schule kommen und Freude am Lernen haben.

 

Bekanntlich besteht eine enge Verknüpfung zwischen Lernen und Emotionen. Positive Emotionen wie Freude (Spaß ist keine Emotion...) beeinflussen das Lernen nachhaltig, indem beispielsweise neues Wissen einfacher gespeichert und länger behalten wird. Daher sollte es unser Ziel sein, diese Emotion zu fördern. Dies kann uns gelingen, indem Schülerinnen und Schüler sich wohl fühlen und Fortschritt und Können erleben. Als Lehrerinnen und Lehrer sollten wir also dafür sorgen, dass das Schul- und Klassenleben, Inhalte und Aufgaben so gestaltet sind, dass Freude empfunden werden kann. Dazu stehen uns die Möglichkeiten des Humoreinsatzes zur Verfügung. Es beginnt aber bereits damit, dass wir selber Freude am Lehren und Lernen versprühen!

 

Um die Nuancen in den Begriffen nochmals zusammenzufassen: Sowohl Spaß als auch Freude sind gut, aber es ist am lohnendsten (für sich und die Schülerinnen und Schüler) nach Freude zu trachten. Freude kann Spaß mit einschließen, aber Spaß im Unterricht zu haben, ist noch kein Garant für Freude am Lernen.


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