Rahmenmodell zum Verständnis der Effekte von Lehrerhumor...

Warum wir etwas generell lustig finden, habe ich in einem älteren Artikel schonmal theoretisch beleuchtet. Diese Ansätze erklären aber noch nicht die Verbindung zwischen Lehrerhumor und Lernen: Warum und wie beeinflusst Humor das Lernen der Schüler? Zu dieser Frage möchte ich euch heute ein Modell aus den USA vorstellen, das eine Hilfe für das Verständnis der Verarbeitung von Humor und dem potentiellen positiven Effekt auf das Lernen darstellt. 

 

Ansätze, die auf einigen der Ideen der drei Haupttheorien basieren, befassen sich damit, warum in humorvollem Unterricht oder durch humorvoll präsentierte Lerninhalte besser gelernt werden kann, als in Unterricht, der auf ernstere Weise präsentiert wird. Ein nützliches theoretisches Basis-Modell, um auf der Prozessebene zu erklären, ob Lehrer­humor im Unterricht Effekte hat oder nicht, bietet die Instructional Humor Processing Theory (IHPT) von Wanzer, Frymier und Irwin (2010) von der West Virginia Universität in den USA. Die Theorie ist ein Rahmenmodell, um zu verstehen, wie humorvolle Botschaften kognitiv und affektiv verarbeitet werden, um potenziell das Lernen der Schüler im Klassenzimmer zu beeinflussen. 

 

Das  Modell

Instructional humor processing theory (Wanzer, Frymier & Irwin (2010, S. 7)
Instructional humor processing theory (Wanzer, Frymier & Irwin (2010, S. 7)
  • Die Schüler müssen zunächst die Inkongruenz in der verbalen oder nonverbalen Botschaft des Lehrers feststellen und lösen. 
  • Wenn die Inkongruenz nicht aufgelöst wird, nimmt der Schüler keinen Humor wahr und wird wahrscheinlich durch die Botschaft des Lehrers abgelenkt oder verwirrt.
  • Nach Auf­lösung der Inkongruenz als humorvolle Botschaft kann die Nach­richt positiv oder negativ bewertet werden. Diese Bewertung ist davon abhängig, auf welche Person der Humor abzielt. Bezieht sich der Humor auf Personen, die dem Schüler nahe stehen, wird dieser Humor eher negativ bewertet. Es wird erwartet, dass angemessene Formen des Humors positive Auswirkungen haben, während unangemessene Formen des Humors (z. B. abwertend und beleidigend) negative oder keine Auswirkungen haben (mehr zu angemessenem und unangemessenem Humor gibt's hier).
  • Damit der als positiv bewertete Humor einen positiven Einfluss auf das Lernen hat, ist es nach der IHPT notwendig, dass die Schüler bereit sind und die Fähigkeit dazu haben, die lehrreiche Botschaft im Lehrerhumor zu verarbeiten.
  • Ein wichtiges Element in der Theorie ist zudem die Überlegung der Relevanz des Humors: Besteht ein Zusammenhang zwischen Lehrer­humor und dem Inhalt des Unterrichts, wird die Aufmerksamkeit auf den Inhalt erhöht und die Informationsverarbeitung der Lernenden positiv unterstützt. Die Studien der Forschergruppe zeigen entgegen den Erwartungen des Modells auf, dass Humor ohne Unterrichtsbezug von Studierenden zwar als positiv bewertet werden kann, jedoch keine positiven Zusammenhänge zu affektivem oder kognitivem Lernen entstehen. Diese Erkenntnisse unterstrich auch eine andere Studie, von der ich bereits berichtet habe

Fazit

Die Instructional Humor Processing Theory und die Ergebnisse erster Forschung zeigen, dass es nicht ausreicht, lustig zu sein, um das Lernen der Schüler zu verbessern: das Lachen der Schüler ist ein schlechter Prädiktor für ihr Lernen. Auch wenn die Schüler die Inkongruenz sehr gut auflösen können und den Humor verstehen, hat er nicht zwangsläufig positive Auswirkungen, vor allem dann nicht, wenn die Verarbeitungsfähigkeit und der Bezug zum Unterrichtsgegenstand fehlt. An dieser Stelle schreiben die Autoren der Studie: die Theorie hat das Potential "to advance our understanding of instructors’ use of humor; however, we caution the generalization and application of these results. The present research represents only the very initial stages of theory testing".

 


Literatur

  • Banas, J. A., Bunbar, N., Rodriguez, D. & Liu, S-J. (2011). A Review of Humor in Educational Settings: Four Decades of Research. Communication Education, 60, 115-144.
  • Bieg, S. & Dresel, M. (2018). Förderung von Motivation und emotionalem Erleben von Schüler(inne)n: Wie Humor dabei helfen kann. In G. Hagenauer, & T. Hascher (Hrsg.),Emotionen und Emotionsregulation in der Schule und Hochschule (S. 197-210). Münster: Waxmann.
  • Wanzer, M. B., Frymier, A. B., Irwin, J. (2010). An Explanation of the Relationship between Instructor Humor and Student Learning: Instructional Humor Processing Theory. Communication Education, 59, 1-18.

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