Die No-Gos des Lehrerhumors

An mehreren Stellen habe ich über die Wichtigkeit einer Unterscheidung von verschiedenen Humorstilen oder -formen geschrieben und dabei verdeutlicht, dass es wichtig ist, Humor gezielt und reflektiert zu nutzen. Nur so kann er für Klarheit, Interesse und eine Verbesserung der Schüler-Lehrer-Beziehung sorgen. Heute möchte ich etwas detaillierter über unangemessenen und unangebrachten Humor im Klassenzimmer berichten. Diese Humorform wird auch als aggressiver Humor bezeichnet.  

 

 

Es gibt vermeintlich humorvolle Bemerkungen, Witze oder Verhaltensweisen, die den professionellen moralischen Idealen von Lehrpersonen widersprechen. Wanzer, Frymier, Wojtaszczyk & Smith (2006) unterscheiden drei zentrale Kategorien von unangebrachtem Lehrerhumor:

 

Anstössiger Humor

Humor in dieser Kategorie umfasst alle Arten von Humor, die eindeutig als anstößig eingestuft werden und sich nicht unbedingt an eine bestimmte Person oder an bestimmte Personen richten. Dazu zählen sexistische oder rassistische Witze oder Kommentare, vulgäre, zynische, sarkastische oder morbide Bemerkungen. 

 

Herabsetzen der Schüler

Humor in dieser Kategorie ist eindeutig herabsetzend und zielt auf Schüler als Gruppe oder einzelne Schüler ab. Beispiele für diesen unangebrachten Humor sind das Lustigmachen über alle oder einzelne Schüler aufgrund von Leistungen, Aussehen, Geschlecht, Religion, Herkunft, Intelligenz oder Meinungen.

 

Herabsetzen anderer Personen(Gruppen)

Humorversuche in dieser Kategorie sind ebenfalls herabsetzender Natur und richten sich dabei an Einzelpersonen oder Gruppen, die keine Schüler sind. Dabei werden generell unangebrachte Bemerkungen über Personen mit einer anderen Hautfarbe oder Nationalität, über sexuelle Orientierungen, Relgionen, das Erscheinungsbild (beispielsweise Blondinenwitze), oder über andere Lehrpersonen oder Berufe gemacht. 

 

Folgen unangebrachten Humors

Aggressiver oder unangebrachter Humor hat negative Konsequenzen, über die ich auch an anderen Stellen bereits kurz geschrieben habe (zum Beispiel hier). Zusammenfassend (nach Lei, Cohen & Russler, 2010, zit. nach Wicki, 2018) sind die negativen Folgen des unangebrachten Humors:

  • er untergräbt die Glaubwürdigkeit der Lehrkraft,
  • er verletzt die Würde der Schüler,
  • er beeinflusst die Lehrer-Schüler-Beziehung negativ,
  • er wirkt sich negativ auf das Klassenklima aus,
  • er führt vom Lerngegenstand und den Lernzielen weg,
  • er beeinflusst das Selbstkonzept und den Selbstwert der Schüler negativ,
  • er frustriert und/oder langweilt die Schüler,
  • er reduziert die Lernmotivation der Schüler

Verschiedene Untersuchungen haben ergeben, dass der aggressive Humor nicht nur professionsethisch zu vermeiden ist, sondern dass Schüler diesen Humor auch (verständlicherweise) am wenigsten bei ihrer Lehrkraft schätzen. Beruhigend ist zu lesen, dass der aggressive Humor in verschiedenen Studien im Vergleich zu den anderen Humorformen seltener vorkommt - in der Arbeit mit Kindern noch seltener als in der Arbeit mit Jugendlichen (Wicki, 2018). 

 


Literatur

  • Wanzer, M. B., Frymier, A. B., Wojtaszczyk, A. M. & Smith, T. (2006). Appropriate and Inappropriate Uses of Humor. Communication Education, 55, 178-196.
  • Wicki, W. (2018). Angebrachter und unangebrachter Humor von Lehrerinnen und Lehrern – Zusammenhänge mit der Lehrer-Schüler-Beziehung und mit der Lern- und Leistungsmotivation. In H.-R.Schärer & M. Zutavern (Hrsg.), Das professionelle Ethos von Lehrerinnen und Lehrern (S. 135-150). Münster: Waxmann. 

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