Auch bei Unterrichtstörungen gelassen bleiben

Humor und Gelassenheit können auch in kritischen Situationen im Schulalltag helfen. Natürlich ist Humor nicht die Lösung für alle Probleme, jedoch kann der bewusste Einsatz von Humor bei Unterrichtsstörungen oder Aggressionen hilfreich sein - und damit auch die Lehrperson schützen und stärken. 

 

Provokationen und Störungen im Unterricht haben in den seltensten Fällen etwas mit dir als Lehrperson zu tun oder sind gar gegen dich gerichtet - vielmehr haben sie etwas mit der Gefühlslage und den Bedürfnissen der Schüler zu tun.  Reagieren wir darauf vorschnell und heftig mit lauten, emotionalen Ausbrüchen, kann dies zu Trotzreaktionen führen und die Schüler geradezu ansticheln, diese Herausforderung anzunehmen. Denn mit unserer Reaktion auf dieses "Spiel", bestimmen wir den weiteren Verlauf. Daher ist eine erste Regel: Gelassenheit. Entspannt euch, bewahrt Ruhe, beobachtet das Geschehen und verschafft euch einen Überblick. 

 

Damit ist deine Gelassenheit und positive, humorvolle Grundhaltung womöglich nicht nur eine erste überraschende Reaktion für die Schüler, sondern auch eine Kraftressource für dich. Die persönlich empfundene Belastbarkeit beeinflusst maßgeblich unsere Reaktion und Entscheidung. Fühle ich mich bei Unterrichtsstörungen nicht persönlich angegriffen oder belastet, kann ich dementsprechend gelassener reagieren. 

 

Diese gelassene Haltung kann bereits Lösung für schulische Alltagsprobleme sein. Natürlich gibt es auch Situationen, in denen du als Lehrperson eingreifen musst. Hier bieten dir paradoxe Interventionen die Möglichkeit, aus dem Machtkampf oder Statusspiel auszusteigen. Eine angespannte und kritische Situation wird entschärft, wenn die Reaktion nicht mit der Erwartung des Gegenübers einhergeht, sie also überrascht. Dies kann durch Freundlichkeit, eine verständnisvolle Nachfrage, eine humorvolle Verfremdung geschehen. Grundlegend ist hier eigentlich nur, dass es nicht die Reaktion ist, die der Schüler auf sein Verhalten erwarten würde... Dies kann ein Schlüssel für Veränderung oder Umdenken sein, oder auch eine Entwaffnung oder Ablenkung darstellen, die das Problem beseitigt. 

 

Hier gilt, wie generell beim Humoreinsatz, seine persönlichen Vorlieben zu finden und dabei authentisch zu bleiben. Und selbstverständlich - ich wiederhole mich - ist Humor nicht die Allzweckwaffe für den Umgang mit Unterrichtstörungen. Interessant finde ich die "Faustregel" von Simone Kriebs (2013), die sagt, dass 80-90 Prozent des Unterrichts freundlich und humorvoll und maximal 10-20 Prozent grenzziehend und streng sein sollten. 

 

Humor, vor allem in seiner Form der Überraschung, hat das Potential, den Teufelskreis der Eskalation zu durchbrechen. Basis ist eine humorvolle Grundhaltung - das wusste bereits Janusz Korczak


Literatur

  • Gruntz-Stoll, J. (2001). Ernsthaft humorvoll - Lachen(d) Lernen in Erziehung und Unterricht. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.
  • Gaudo, F. & Kaiser, M. (2018). Lachend lernen. Weinheim: Beltz.
  • Kriebs, S. (2013). Bitte lächeln! Reflexiver und humorvoller Umgang mit Unterrichtsstörungen. Grundschulmagazin, 4, 14-19.
  • Wanzer, M. (2002). Use of humor in the classroom: The good, the bad, and the not-so-funny things that teachers say and do. In Joseph L. Chesebro & James C. McCroskey (Eds.), Communication for teachers (pp. 116-125). Boston, Massachusetts: Allyn & Bacon.

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