Was sagen Hattie, Helmke & Co. zum Humor im Unterricht?

Was sagen oder schreiben renommierte und populäre Unterrichtsforscher wie John Hattie oder Andreas Helmke eigentlich zum Thema Humor im Unterricht? Setzen sie in ihren Werken zur Unterrichtsqualität auf den Humor (des Lehrers) oder bleibt er unberücksichtigt? Findet sich Humor sogar in der Liste der Unterrichtsqualitätsmerkmale? Ein Blick in ihre Hauptwerke sorgt eher für Ernüchterung...

 

Im bekannten Angebot-Nutzungs-Modell von Andreas Helmke ("Unterrichtsqualität und Lehrerprofessionalität") taucht das Merkmal Humor tatsächlich auf. Er fasst es gemeinsam mit Engagement und Geduld in den Aspekt der unterrichtsrelevanten Persönlichkeitsmerkmale des Lehrers. Helmke schreibt weiterhin, dass Humor eine Rolle bei der Herstellung eines lernförderlichen Klimas einnimmt. Er stellt heraus, dass Humor gelegentlich Gegenstand empirischer Untersuchungen ist, jedoch in der Unterrichtsforschung keine große Rolle spielt.

 

Angebot-Nutzungs-Modell des Unterrichts (Helmke, 2009, S. 73)
Angebot-Nutzungs-Modell des Unterrichts (Helmke, 2009, S. 73)

 

Auch Hilbert Meyer ("Was ist guter Unterricht?") gibt dem Humor als Indikator eines lernförderlichen Unterrichtsklimas einen (kleinen) Platz ("Hin und wieder wird gelacht"). Meyer weist zudem darauf hin, dass Humor ein Mittel zur Stressbewältigung darstellt. 

 

John Hattie ("Visible Learning") führt in seiner Meta-Meta-Analyse das Merkmal Humor nicht auf - aus dem einfachen Grund, dass er keine Meta-Analysen zu diesem Thema als Basis vorliegen hatte. Ein Umweg über andere Einflussfaktoren auf das Lernen kann jedoch genommen werden. Denn sowohl die Aspekte der Lehrer-Schüler-Beziehung (Effektstärke: d=0,72), des Klassenzusammenhalts (d=0,52), der Klassenführung (d=0,52), der Motivation (d=0,48) oder der Qualität der Lehrperson aus Schülersicht (d=0,48) können durch den Einsatz von Humor beeinflusst werden. Demnach kann Humor hier einen indirekten lernwirksamen Einfluss auf Aspekte haben, die nachweislich einen direkten Einfluss auf das Lernen haben.  

 

Fazit

Humor taucht direkt oder indirekt auch in den Werken renommierter Unterrichtsforscher und Didaktiker auf. Das ist bereits eine Tatsache, die mich erfreut (Humor wird von ihnen also nicht als No-Go im Unterricht angesehen). Jedoch bleibt es bei einer recht allgemeinen Erwähnung von "Humor" und einer mangelnden Differenzierung verschiedener Lehrerhumorformen. Inwieweit welche Humorformen auf welche Art und Weise auf Aspekte der Unterrichtsqualität wirken und welche Formen des Lehrerhumors  nun (empirisch belegt) wirklich effektiv (oder auch schädlich?) für das Lernen sind, wird nicht erwähnt - weil erst kürzlich bzw. für den Bereich der kognitiven Dimensionen des Unterrichtes kaum erforscht wurde...


Literatur

  • Hattie, J. (2014). Lernen sichtbar machen für Lehrpersonen. Baltmannsweiler: Schneider.
  • Helmke, A. (2009). Unterrichtsqualität und Lehrerprofessionalität: Diagnose, Evaluation und Verbesserung des Unterrichts. Seelze: Kallmeyer.
  • Meyer, H. (2004). Was ist guter Unterricht? Berlin: Cornelsen Scriptor.

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