Studie: Warum Humor nicht gleich Humor ist!

Bereits in einem früheren Artikel habe ich darauf verwiesen, dass es nicht DEN Lehrerhumor gibt, sondern, dass sich verschiedene Humorstile unterscheiden lassen. Auch in der neueren Studie von Sonja Bieg und Markus Dresel (2018) wird deutlich, dass Lehrerhumor als mehrdimensionales Konstrukt betrachtet werden muss und dabei nicht jede Form von Humor positive Effekte auf den Unterricht und das Lernen hat.

 

Ausgehend von den Humorstilen nach Martin et al. (2003) und dem Fragebogen zur Erfassung des Lehrerhumors von Frymier et al. (2008) haben Bieg und Dresel (2014) einen Fragebogen zur Erfassung des Humors von Lehrkräften aus Schülersicht (HUMLAS) entwickelt, der folgende vier - nachgewiesen unterscheidbare - Formen des Lehrerhumors beinhaltet (s. Abbildung):

  • lerngegenstandsbezogener Humor: Humorvolle Beispiele (Cartoons, Clips, Anekdoten,...), um den Unterrichtsinhalt zu veranschaulichen
  • Humor ohne Bezug zum Lerngegenstand: Humorvolle Geschichten oder Witze, die nichts mit dem Lerngegenstand zu tun haben 
  • selbstabwertender Humor: die Lehrkraft lacht über eigene Fehler oder erzählt peinliche Anekdoten
  • aggressiver Humor: die Lehrkraft macht sich über die Schüler lustig oder stellt sie bloß 
Übersicht über Humorformen (Bieg & Dresel, 2014)
Übersicht über Humorformen (Bieg & Dresel, 2014)

Welche Wirkung haben die verschiedenen Formen?

Unter der Annahme der vier verschiedenen Humorformen kann man davon ausgehen, dass der Humoreinsatz einen Einfluss auf die sozial-emotionalen und motivationalen sowie auf die kognitiven Dimensionen des Unterrichts hat. Die zentralen Erkenntnisse aus der Studie von Bieg und Dresel (2018), an der 985 Gymnasialschülerinnen und -schüler (9. und 10. Klasse) teilnahmen, fasse ich kurz zusammen.

 

Sozio-emotionale und motivationale Dimension:

  • die Qualität der Lehrer-Schüler-Beziehung wird durch lerngegenstandsbezogenen und selbstabwertenden Humor positiv und durch aggressiven Humor negativ beeinflusst
  • lerngegenstandsbezogener Humor steigert das Interesse am Unterricht, während aggressiver Humor das Interesse mindert
  • Humor ohne Bezug zum Lerngegenstand hat keinen besonderen Einfluss auf die Lehrer-Schüler-Beziehung und wirkte eher negativ auf das Interesse

Kognitive Dimension:

  • Lerngegenstandsbezogener Humor hat einen positiven Einfluss auf die Klarheit des Unterrichts, während aggressiver Humor diese negativ beeinflusst.
  • Selbstabwertender Humor und Humor ohne Bezug zum Lerngegenstand waren in der Studie negativ assoziiert mit der Klarheit des Unterrichts. Witze oder abschweifende Geschichten, die nicht situationsangemessen sind, irritieren die Schüler demnach eher. 

Fazit

Die Ergebnisse der Studie von Bieg und Dresel (2018) weisen nochmals darauf hin, dass es ausschlaggebend ist, zwischen verschiedenen Lehrerhumorformen zu unterscheiden und es nicht ausreicht, den Humor global und eindimensional zu betrachten. Denn die Ergebnisse zeigen auf, dass Humor nicht gleich Humor ist und die Wirkungen auf Lehrer-Schüler-Beziehung, Interesse oder Klarheit sich je nach Humorform unterscheiden (und dabei nicht immer positiv sind!).  Über alle Dimensionen hinweg ist der lerngegenstandsbezogene Humor mit positiven Wirkungen verbunden. Dies bestätigt bereits existierende Erkenntnisse. Bieg und Dresel (2018) stellen abschließend klar, dass sie davon ausgehen, dass trotz positiver Wirkungen Lehrerhumor keine notwendige Bedingung für erfolgreiches Unterrichten darstellt. 

 


Literatur

  • Bieg, S. & Dresel, M. (2014). Fragebogen zur Erfassung des Humors von Lehrkräften aus Schülersicht (HUMLAS): Konstruktion und Validierung. Diagnitica, 62 (1), 3-15.
  • Bieg, S. & Dresel, M. (2018). Förderung von Motivation und emotionalem Erleben von Schüler(inne)n: Wie Humor dabei helfen kann. In G. Hagenauer, & T. Hascher (Hrsg.), Emotionen und Emotionsregulation in der Schule und Hochschule (S. 197-210). Münster: Waxmann. 
  • Bieg, S. & Dresel, M. (2018). Relevance of perceived teacher humor types for instruction and student learning. Social Psychology of Education, 1-21.

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