Humortechnik #1: Übertreiben

Es folgt der wohl beste Beitrag dieses Blogs überhaupt, wahrscheinlich der beste Post, den jemals jemand auf dieser oder anderen Welten zum Thema Humor geschrieben hat und schreiben wird... Wenn wir etwas übertreiben, dann setzen wir meist mehr als nur Eins drauf. Simple Tatsachen werden in die Maßlosigkeit der Absurdität aufgebläht. Eine Humortechnik, die zwar nicht direkt etwas mit dem Lerninhalt zu tun hat, den Lernerfolg aber indirekt steigern kann, indem die Aufmerksamkeit gesteigert wird. 

 

Es gibt zwei Dinge, die ich wirklich hasse:
1. Menschen, die maßlos übertreiben. 
2. Wenn ich beim Joggen geblitzt werde. 

 

Übertreibung ist eines der einfachsten Mittel von Situationskomik und kann den Aufmerksamkeitsgrad der Schüler steigern und sie gleichzeitig entspannen. Dabei geht es darum, bestimmte Eigenschaften, Tatsachen, Dinge, Gefühle, Verhaltensweisen,... hinsichtlich ihrer Größe, Zeit, Wichtigkeit oder anderem ganz offensichtlich zu überzeichnen.

   

Die Übertreibung passt hervorragend zum Inkongruenzprinzip von Humor, denn Realität und "Erfindung" passen nicht zusammen. Wir nutzen diese Form des Humors auch im Alltag, häufig mit übertriebenen Vergleichen. 

 

Wenn du im alltäglichen Kontakt mit den Schülern, bei einer Rückmeldung, einer Erklärung, einem Arbeitsauftrag übertreibst, wirkt dies wie ein Aufmerksamkeitswecker und zeigt den Schülern klar, dass du jemand bist, der einen Spaß macht, freundlich und nett ist. Übrigens lassen sich auch Mimik, Gestik und Körpersprache herrlich theatralisch übertreiben. 

 

Beispiele (angelehnt an Veith, 2012): 

  • "Deine Argumentation war so geschickt, die hätte beim Supertalent einen Goldenen Buzzer bekommen"
  • "Das war ja blitzschnell/Schneckentempo, wie ihr eure Pulte aufgeräumt habt"
  • "Dein Aufsatz würde dem Fehlerteufel die blanke Wut ins Gesicht treiben!"
  • "Ich bin heute so zerstreut, dass sogar der Salzstreuer schon neidisch ist"

Wenn die Übertreibung nicht ankommt, merkt niemand, dass du etwas humorvoll meinst. Das liegt dann womöglich daran, dass sie noch zu nah an der Realität ist. Eine Übertreibung sollte so überzogen und unglaubwürdig sein, dass sie im Idealfall unmöglich ist... Und diese offensichtliche Absurdität wirkt witzig. Versucht es einfach mal aus! 

Aber auch hier gibt es Gefahren: Die Übertreibungen können nicht verstanden werden (und sind daher unlustig oder gar verwirrend) oder in Slapstick ausarten. Außerdem sollte die Dosis berücksichtigt werden: Wird die Übertreibung zu häufig eingesetzt, verliert sie ihre Wirkung.

Aus Mücken Elefanten machen...

Das Prinzip der Übertreibung lässt sich übrigens auch in der Literatur (Stilmittel: Hyperbel), in der Werbung, in Satiren oder Karikaturen wiederfinden. Auch in der Bibel wird übertrieben: So sagte Lukas (18, 25): „Denn eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“

In der Sekundarstufe könnte es ein spannendes Thema im Sprachunterricht sein, dieser Humortechnik auf den Grund zu gehen... Lasst eure Schüler doch mal eigene Hobbies oder Macken als Übertreibung formulieren oder Werbungen in Bezug auf Hyperbeln analysieren. 

 


Literatur

  • Dickhäuser, A. (2002). Humor und Unterricht. Existenz und Logos. Zeitschrift für sinnzentrierte Therapie, Beratung und Bildung, 1, 102-125.
  • Hansmeier, K. & Seidler, K. (2016). Humorvoll übertreiben und spiegeln. HAUT, 3, 1-3.
  • Teufert, G. (2009). Schlagfertigkeit für Dummies. Weinheim: WILEY-VCH. 
  • Veith, P. (2012). Im Unterricht gelassen bleiben - mit Humor unterrichten. Augsburg: Brigg. 

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