Humorvolle Strafen?

Es geht um das Thema Strafen, Sanktionen und Konsequenzen - ein ernstes Thema. Dabei bin ich bei Recherchen auf ein Kapitel mit dem Titel  "Unsinnige Maßnahmen" gestoßen - das führte mich schnurstracks zu Erinnerungen an meine Sekundarschulzeit, in der ein Pädagoge zur Bestrafung für Kaugummikauen eine Kuhwiese zeichnen ließ oder beim Ausdruck "Sch...." eine künstlerische Zusammenstellung verschiedener tierischer Exkremente verlangte. Lustig war es - aber auch sinnvoll? Können Humor und Strafe kombiniert werden? Oder geht dann der Ernst verloren?  

 

Bei Unterrichtsstörungen oder Regelverstößen auch mal gelassen reagieren, den Schülern schlagfertig oder humorvoll begegnen - das ist sicherlich eine Einsatzmöglichkeit von Humor. Zahlreiche Autoren schlagen explizit vor, den Humor als Mittel, um Unterrichtsstörungen zu begegnen, zu nutzen. Aber wie weit kann und darf das gehen?

 

Die eingangs geschilderten Beispiele aus meiner Schulzeit lassen sich ergänzen durch Vorschläge aus aktuellen Werken. Die Reihe "Bußgeldkatalog" - mittlerweile bestehend aus 5 Büchern - enthält zahlreiche gute Ansätze, um Schülerinnen und Schüler mit Arbeitsaufträgen zum Nachdenken anzuregen und ihr Fehlverhalten zu reflektieren. Mit dem Untertitel "68 originelle Zusatzaufgaben bei Regelverstößen" wird aber bereits deutlich, dass hier auch (zu?) kreativ an die Sache herangegangen wird. Ein Beispiel:

 

Entscheide ich mich dafür, einem Fehlverhalten eine Strafaufgabe folgen zu lassen, ist das Ziel dieser Aufgabe, dass sich die Schüler mit ihrem Fehlverhalten auseinandersetzen. So sollte die Aufgabe auch mit diesem Verhalten in direkter Verbindung stehen. Im oben genannten Beispiel ist dies nicht der Fall. Ebenso ist das nicht wirklich der Fall, wenn Kuhwiesen oder Tierkot gemalt werden soll. Ich könnte mir gut vorstellen, dass eine solche Strafaufgabe vor allem von älteren Schülern nicht ernst genommen oder ins Lächerliche gezogen wird. Vielleicht ist die Folge sogar, dass ein Schüler sich an der Erledigung der Arbeit erfreut. Damit wäre der Sinne der Strafe verfehlt. 

 

Ich möchte nochmal wiederholen, dass in dem beschrieben Werk auch gute und sinnvolle Aufgabenstellungen sind, die zum Reflektieren nachdenken. Jedoch gilt dies meiner Meinung nach nicht uneingeschränkt für alle "Strafen".

Auch wenn ich ein Verfechter des Humoreinsatzes bin, so gehören Sanktionen, die ein Fehlverhalten beenden sollen, und Humor nicht zusammen. Werden Sonder- oder Strafarbeiten vorgesehen, sollten diese immer sinnvoll sein: genauso wie stupides Abschreiben sind demnach auch humorvolle Arbeiten ohne Bezug zum Fehlverhalten zu vermeiden. 


Literatur

  • Jaglarz, B. & Bemmerlein, G. (2006). Bußgeldkatalog : 68 originelle Zusatzaufgaben bei Regelverstößen, Sekundarstufe, Band 1. Horneburg: Petersen. 
  • Kindler, W. (2007). Wenn Sanktionen nötig werden: Schulstrafen. Warum, wann und wie? Mühlheim an der Ruhr: Verlag an der Ruhr. 
  • Rogers, B. (2013). Classroom Management: das Praxisbuch. Weinheim: Beltz. 

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