Es lauern auch Gefahren...

Der Humoreinsatz im Unterricht ist nicht risikofrei. Es lauern Gefahren, die aber gemindert werden können, insofern einige Bedingungen berücksichtigt werden. Dabei gilt vor allem, die Klasse kennenzulernen und ein Gespür für die aktuelle Atmosphäre in der Gruppe zu entwickeln.  

 

Ablenkend...

Wenn eine humorvolle Einlage oder Bemerkung die Schüler vom eigentlichen Lernen ablenkt, hat dies negative Auswirkungen auf den Lernprozess. Dieses Phänomen nennt man Interferenz. Beispielsweise möchte die Lehrperson den Unterricht durch einen Witz auflockern. Befinden sich Schüler aber gerade in einer intensiven Konzentrationsphase, ist das Lernen kurzzeitig gestört. Auch wenn der Humoreinsatz gut gemeint war, ist der Lehrer hier selbst Auslöser für eine Unterrichtsstörung. Dies bedeutet, dass der Zeitpunkt und die Notwendigkeit einer humorvollen Intervention abgewägt werden sollte.

 

Nicht verstanden...

Es ist auch möglich, dass Humor keine oder nur eine reduzierte Wirkung entfaltet, wenn er gar nicht verstanden wird. Dies kommt vor, wenn die Schüler kognitiv (noch) nicht in der Lage sind, die Komplexität der humorvollen Situation zu verstehen (beispielsweise bei Ironie oder Sarkasmus). Die Lehrperson muss ihre Schüler und deren Humor kennenlernen und demnach ihre Humorpraktik dem Verständnisvermögen der Schüler anpassen, beispielsweise indem sie ironische Bemerkungen mit Gesten oder Zeichen verbindet, sodass die Ironie in der Aussage deutlich wird. 

 

Zu viel...

Auch die Humorquantität ist ein bedeutendes Thema. Eine Lehrperson, die es mit dem Einsatz von Späßen, Witzen und humorvollen Situationen übertreibt, wird von ihren Schülern nicht mehr ernst genommen. Es droht Autoritäts- und Respektverlust Ein übertriebener Humor der Lehrperson kann sich zudem negativ auf die Unterrichtsqualität auswirken. Auch hier hat jede Klasse andere Bedürfnisse, sodass das Geschick und Gespür der Lehrperson, wie viel Humoreinsatz möglich ist, gefragt ist. Es gilt: Nur so viel und so oft Humor wie nötig, um den Inhalt interessant und motivierend zu vermitteln bzw. die Kommunikation positiv zu beeinflussen. 

 

Verletzend...

Es besteht die Gefahr, dass Humor einzelne Schüler oder die Klasse verletzt. 

Deshalb ist es wichtig, sich als Lehrperson ein gutes Gefühl anzueignen, in welcher Situation die Klasse oder ein bestimmtes Kind eine spaßige Bemerkung verträgt. Ansonsten kann die Beziehung massiv beeinträchtigt werden, was zum Gegenteil des Beabsichtigten führt: Das Lernen wird nachhaltig gehemmt. Dazu gehört auch, die Schülerinnen und Schüler der Klasse möglichst gut zu kennen.

 

Fazit: Gefahren aus dem Weg gehen

Die Risiken beim Humoreinsatz können eingedämmt werden, wenn die Lehrperson ein Gefühl für die Atmosphäre in der Klasse, sowie für die Befindlichkeiten und das Verständnisvermögen der Schüler entwickelt. Eine Basis für gelingenden Humoreinsatz, der das Lernen positiv beeinflusst, ist eine stabile Lehrer-Schüler-Beziehung. 

 


Literatur

  • Gaudo, F. & Kaiser, M. (2018). Lachend lernen: Humortechniken für den Unterricht. Weinheim: Beltz.
  • Kassner, D. (2002). Bedeutung - Einfluss - Wirkungen. Können pädagogische Leistungen und berufliche Qualifikationen durch Pädagogischen Humor verbessert werden? Hohengehren: Schneider.
  • Liebertz, C. (2016). Das Schatzbuch des Lachens: Grundlagen, Methoden und Spiele für eine Erziehung mit Herz und Humor. München: Buckhardthaus-Laetare.
  • Piepenbrink, K. (2013). Humor und Schule. Eine Einführung in die Soziologie des Humors für den Unterricht. Hamburg: Diplomica.
  • Rißland, B. (2002). Humor und seine Bedeutung für den Lehrerberuf. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.
  • Veith, P. (2012). Im Klassenzimmer gelassen bleiben – mit Humor unterrichten. Augsburg: Brigg.

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