Humor für jedes Alter

Dr. Paul McGhee
Dr. Paul McGhee

Wer Humor im Unterricht gezielt einsetzen möchte, muss natürlich wissen, worüber Kinder in welcher Altersphase lachen, welchen Humor sie selber einsetzen und was sie (noch) nicht verstehen. Dabei ist der Humor, den Kinder verstehen und nutzen abhängig von ihrer kognitiven Entwicklung. Dr. Paul McGhee, Pionier der modernen Humorforschung, hat sich ausgiebig mit der Entwicklung des kindlichen Humors befasst und ein Stufenmodell erstellt. Dieses kann als Orientierung dienen, um zu verhindern, dass Humorversuche in der Klasse erfolglos bleiben...

 

Besonders spannend ist die Humorentwicklung in der frühen Kindheit, der Kindergarten- und frühen Primarschulzeit. Hier gibt es spannende Veränderungen und der Humor von Kindern wird lebendig. Die Altersangaben zu den einzelnen Entwicklungsstufen sind Richtwerte - ebenso wie der Humor der Menschen ist auch dessen Entwicklung eine sehr individuelle Angelegenheit. 

 

STUFE 1:
Beobachtung kurioser Handlungen
 

(6-15 Monate)

 

Die erste Stufe der Humorentwicklung äußert sich im Lachen als Reaktion auf inkongruente Situationen. Kinder lachen in dieser Altersphase über das Verhalten ihrer Bezugspersonen, welches ihnen ungewöhnlich erscheint. Beispiele für diese Form des Humors sind das "Kuckuck"-Spiel, Tiergeräusche nachahmen oder Grimassen schneiden. Kinder agieren in dieser Altersspanne selber noch nicht bewusst humorvoll. 

 

STUFE 2:
Als-Ob-Spiel und Umdeutung von Gegenständen 

(2-3 Jahre)

 

 

Zu Beginn des zweiten Lebensjahres stellt das Auftreten des Als-Ob-Spiels eine Entwicklung im kognitiven Bereich dar. Das Kind setzt sich fantasievoll mit seiner Umgebung auseinander und deutet Spielgegenstände um: es erfindet also Fantasiezustände, beispielsweise indem es mit einer Banane telefoniert oder aus einer leeren Tasse trinkt. Ein weiteres bekanntes Beispiel ist die Situation, in der Kinder den Staubsauger als Lastwagen nutzen und Motorengeräusche machen. So erzeugt das Kind erste humorvolle Situationen. Es reagiert zudem weiterhin auf inkongruente Situationen.

 

STUFE 3:
Vertauschen von Bezeichungen

(3-4 Jahre)

  

Mit der Entwicklung der Sprache können Kinder nun mit Hilfe von Wörtern Humor hervorbringen. Kinder haben zum Ende des zweiten Lebensjahres Freude daran, Bezeichnungen von Gegenständen oder Namen von Personen zu vertauschen. In dieser Stufe lachen Kinder also auch aufgrund verbaler Äußerungen und benötigen nicht mehr das konkrete, sichtbare Objekt. Dabei werden beispielsweise Hunde bewusst falsch als Katzen bezeichnet.

 

STUFE 4:
Spiel mit Wortklängen, Wortkombinationen und Konventionen

 (3-6 Jahre)

 

 

 

Ab ca. drei Jahren treten verschiedene Formen von Humor auf: Kinder lachen über Wortklänge und beginnen damit zu spielen, indem sie Wörter wiederholen und deren Anfangsbuchstaben verändern. Das Erzeugen von Nonsens-Wörtern und das Wiederholen von Reimen ist sehr beliebt. Auch die Kombination von wirklichen und unwirklichen Wörtern kommt hier vor. In dieser Phase empfinden sie auch die konzeptuelle Inkongruenz als komisch: Kinder wissen nun, dass ein Begriff verschiedene Erscheinungsbilder und Eigenschaften besitzen kann und empfinden Freude daran, die "Regeln" zu verletzen. Witzig finden sie beispielsweise, Eigenschaften dort hinzuzufügen, wo sie nicht hingehören (einem Apfel Ohren und Nasen zu geben) und ihnen unmögliches Verhalten zuzuschreiben (der Apfel schreit, wenn man in ihn hineinbeißt). 

 

STUFE 5:

Mehrdeutigkeiten

(6-8 Jahre)

 

 

 

 

Zwischen sechs und acht Jahren beginnen Kinder zu verstehen, dass ein Wort mehrere Bedeutungen haben kann (z.B. in einem Witz). Dies ist das erste Anzeichen von logischem Denken in der Humorentwicklung, womit Kinder sich auch dem Erwachsenenhumor nähern. Um einen Witz zu verstehen, muss ein Kind in der Lage sein, die sprachliche Mehrdeutigkeit zu erkennen. Für das Verständnis von Witzen, Scherzfragen und Sprachspielen ist dieses sogenannte "reversible Denken" grundlegend. Kinder lernen dann auch, über die rein beschreibende Erklärung von Witzen hinauszugehen und können Witze nun auch interpretativ erklären.

 

STUFE 6:
Scherzfragen und Rätsel

(7-11 Jahre)

 

Lustige Rätsel und Scherzfragen beschäftigen Kinder bis zum Alter von elf Jahren; sie fühlen sich damit klug und dem Zuhörer überlegen, weil sie die Antwort kennen. Parodien, Scherze, Necken, Spott usw. werden als Mittel zur Kontaktaufnahme und Entlarvung von Wahrheiten eingesetzt.

 

 

STUFE 7:

Ironie und Selbstironie
(ab 11 Jahre)

 

Mit dem Eintritt in die Pubertät verändert sich die Komplexität und Funktion des vom Jugendlichen eingesetzten Humors. Ironie und Selbstironie werden angewendet, um sich durch humorvolles Überspielen mit ihren Schwächen und dem eigenen Unvermögen auseinander zu setzen.

 


Literatur

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