Achtung: Ironie!

Ich bin ein Fan von Ironie! Dabei fällt mir im Alltag auf, dass manche Erwachsene meine ironischen Anmerkungen nicht verstehen. Noch schwieriger wird der Einsatz von Ironie in der Kommunikation mit Kindern. Wie sich das Verständnis von Ironie im Kindesalter entwickelt und welche potentiellen Risiken der Ironieeinsatz mit sich bringt, beschreibe ich in diesem Blogartikel. Bereits vorneweg: Die Frage nach dem Ironieverständnis der Kinder und der pädagogischen Eignung der Ironie kann nicht pauschal beantwortet werden.

 

Was ist Ironie?

Ironie ist eine komplexe und recht komplizierte Form von Humor. Wikipedia definiert Ironie als rhetorische Figur, bei der der Sprecher etwas behauptet, "das seiner wahren Einstellung oder Überzeugung nicht entspricht, diese jedoch für ein bestimmtes Publikum ganz oder teilweise durchscheinen lässt." Im Vergleich zur Lüge, wo ein Sachverhalt bewusst verschleiert wird, soll bei der Ironie durchaus bemerkt werden, dass man vom eigentlich Gemeinten abweicht. Der Sprecher setzt dabei voraus, dass das Gegenüber versteht, dass es sich beim Gesagten nicht um die Wahrheit handelt. 

 

Um unsere Ironie im Sprachgebrauch zu kennzeichnen, nutzen wir oft sogenannte „Ironiesignale“. Das können Übertreibungen in der Wortwahl ("superschön"), mit den Händen gesetzte Anführungszeichen und eine veränderte Betonung oder Mimik sein.

 

Wann verstehen Kinder Ironie?

Während lange Zeit davon ausgegangen wurde, dass Menschen erst im Erwachsenenalter zu Ironieverständnis und -einsatz fähig sind, weisen neuere (entwicklungspsychologische) Forschungen auf das Gegenteil hin. Dabei lassen sich keine genauen Altersangaben ermitteln, ab wann Kinder Ironie verstehen und nutzen. Nach Dr. Gabriele Haug-Schnabel (2012) verstehen Kinder Ironie, wenn sie: 

  • den Bedeutungswiderspruch zwischen Gesagtem und Gemeintem auflösen können,
  • begreifen, welche Aussage hinter der Aussage steckt,
  • kontextbezogene Informationen wie Mimik, Tonfall und eigene Kenntnisse über den korrekten Ablauf der angesprochenen Handlung hinzuziehen können,
  • verstehen, dass bei ironischen Aussagen die Aufrichtigkeitsbedingungen - also die Wahrheit zu sagen - verletzt werden, um den Empfänger der Nachricht nicht vor den Kopf zu stoßen.

Es gibt zwar Untersuchungen, in denen festgestellt wurde, dass Kinder Ironie schon ab vier Jahren ausmachen können – dies geschieht aber nur in Einzelfällen. Im Allgemeinen kann man sagen, dass Kinder ab sechs Jahren einfache ironische Bemerkungen verstehen und mit neun bis zehn Jahren erkennen, dass ironische Bemerkungen mit dem Zweck, lustig zu sein, genutzt werden. Sie können dann auch zunehmend selber Ironie anwenden.

 

Sie lernen dies nicht zuletzt in dem Maße, wie sie auch in ihrem Elternhaus und ihrer Umwelt mit Ironie konfrontiert werden. Erleben Kinder in ihrem Umfeld und unter vertrauten Personen Ironie, ist es ihnen möglich, bereits früher Ironie zu entschlüsseln und zu erkennen. Dass Ironie und dessen Verständnis jedoch ein komplexes Phänomen und dessen Entwicklung interindividuell verläuft zeigt sich darin, dass manche Erwachsene noch Schwierigkeiten beim Nachvollziehen ironischer Bemerkungen haben. 

 

Das Für und Wider von Ironie im Unterricht...

Die lange Zeit existierende Negation eines Ironieverständnisses von Kindern kann wie beschrieben keinen Bestand mehr haben, sodass auch diese Humorform durchaus ihre Daseinsberechtigung im Unterricht hat. 

 

Allerdings sollte Ironie mit Vorsicht genutzt werden! Eine kindgerechte Verständigung sollte klar, verständlich und verständnisvoll für Kinder sein. Das Kind muss ernst genommen werden - und sich auch so fühlen. Ironie kann Unsicherheit, Verwirrung und Misstrauen hervorrufen, was zu mangelndem Selbstvertrauen führen kann. Wenn ein Kind Ironie nicht erkennt und die Aussage nicht differenzieren kann, zweifelt es an seiner eigenen Wahrnehmung - und das kann fatal für die kindliche Entwicklung sein. Ironie kann neben der Unverständlichkeit und Verwirrung auch zur Verletzung einzelner Schüler oder auch zur Beeinträchtigung und Schädigung des Lehrer-Schüler-Verhältnisses führen. Dies gilt vor allem für die negativen Formen von Ironie: Sarkasmus und Zynismus. 

 

Auch wenn die Tendenz negativ ist, lassen sich doch Gegenargumente zur strikten und vollständigen Ablehnung von Ironie (nicht für Sarkasmus und Zynismus!) finden. Ironie kann lern- und entwicklungsförderlich sein: 

  • Eine ironische Kritik kann relativierend, entlastend und motivierend sein. Dazu muss sie jedoch vom Kind verstanden und von ihm zugestimmt werden. Eine Reaktion auf einen Fehler mit Humor kann positive Auswirkungen auf das Lehrer-Schüler-Verhältnis haben.
  • Stress- oder beängstigende Situationen können durch Ironie entschärft werden.
  • Durch ironische Fragen kann z. B. indirekt auf Regeln hingewiesen werden.
  • Ironie ist Voraussetzung für die Teilnahme an vielen Gesprächen. Solche kommunikativen Fähigkeiten müssen auf- und ausgebaut werden. 
Klar ist: Durch Ironie darf niemals jemand herabgesetzt werden. Entscheidende Grundlage, ob Ironie in deinem Unterricht bei Schülerinnen und Schülern gut ankommt, ist die Menschlichkeit und Empathie mit der du ironisch bist. So sollte wahres Lob nie ironisch ausgedrückt werden!
Die Eignung der Ironie im Unterricht muss immer mit Blick auf den Adressaten hinterfragt werden. Dazu solltest du  beim Einsatz von Ironie eine „Sensibilität für die individuelle Beschaffenheit und Befindlichkeit“ (Krüger, 2011) der Schülerinnen und Schüler aufbringen. 

Literatur

  • Aßmann, A. (2008): Pädagogik und Ironie. Wiesbaden: VS.
  • Aßmann, A. & Krüger, J. O. (Hrsg.) (2011). Ironie in der Pädagogik. Theoretische und empirische Studien zur pädagogischen Bedeutsamkeit der Ironie. Weinheim: Juventa.
  • Cramm, D. von (2018). Kinder und Ironie – ein schwieriges Verhältnis. Verfügbar unter: https://www.real.de/meine-familie/kinder-und-ironie-ein-schwieriges-verhaeltnis/
  • Famula, N. (2015). Ironie in der Kindheit: Zusammenhänge sozial-kognitiver und sprachlicher Fähigkeiten mit der Entwicklung einer Kompetenz für Ironie vor dem Schuleintritt. Bachelor-Thesis an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg.
  • Haug-Schnabel, G. (2012). Umgang mit Ironie. DGUV Kinder, Kinder, 4, 8-10.
  • Kinder und Humor – wie er sich entwickelt, was Kinder wann verstehen und was nicht (2018). Verfügbar unter https://www.vaterfreuden.de/vaterschaft/erziehungsfragen/kinder-und-humor-wie-er-sich-entwickelt-was-kinder-wann-verstehen-und
  • Krüger, J. O. (2011): Pädagogische Ironie – ironische Pädagogik. Diskursanalytische Untersuchungen. Paderborn: Ferdinand Schöningh.
  • Maschke, L. (2015). Am Dienstag darf man nie auf's Klo?! oder: Ironie im Unterricht. Berlin: Logos. 

 


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